Ankur Kamalia, Managing Director, Head of Venture Portfolio Management
Olga Wenge, Group Compliance Officer

innovation – TECHNOLOGIE UND MARKT DER ZUKUNFT

Daten und Netzwerke, Innovation und Sicherheit

Wie können Unternehmen auch in 20 Jahren noch produktiv sein und Geld verdienen? Neue Technologien und neue Akteure am Markt bringen Chancen und Herausforderungen für etablierte Anbieter wie die Gruppe Deutsche Börse. Es ist unser Anliegen, dass junge, hoch innovative Anbieter die Deutsche Börse als den schnellen und kompetenten Partner kennenlernen, der wir seit vielen Jahren sind. Wir haben fest vor, so Olga Wenge und Ankur Kamalia von der Gruppe Deutsche Börse, unsere Erfolgsgeschichte als Pionier im Finanzsektor weiterzuschreiben und den Wandel mitzugestalten.


Ankur Kamalia: Wenn wir uns einmal anschauen, wie sich die Welt verändert, dann ist das ein spannendes Thema. Wie siehst du das? Welche Trends beobachtest du [bei den Schlüsseltechnologien] und wie beeinflussen sie unser Geschäft?

Olga Wenge: Wir haben im Laufe der letzten Jahre immense Datenmengen zusammengetragen. Alle Informationen eines Jahres auszulesen, würde rund 300 Jahre dauern. Deshalb brauchen wir natürlich neue Technologien, um diese Daten zusammentragen, verarbeiten oder gar wertvolle Erkenntnisse aus ihnen gewinnen zu können. Und das bleibt natürlich nicht ohne Einfluss auf die Gruppe Deutsche Börse, denn einige dieser Technologien könnten wir auch in unserem Geschäft einsetzen. Ich denke da beispielsweise an Cloud Computing, wo wir mit neuen Kooperationspartnern zusammenarbeiten können, oder auch an maschinelles Lernen. Wir könnten so Daten auswerten und prädiktive Analysen nutzen, um neue Produkte zu entwickeln oder neue Kundengruppen zu erschließen.

Ankur Kamalia: Richtig. Natürlich ist „die Cloud“ für sich genommen nichts Neues. Doch scheint der Finanzsektor die Vorteile dieser Technologie erst jetzt allmählich zu entdecken.

Olga Wenge: Wie ist deine Sicht, wie werden sich diese neuen Technologien auf unsere Märkte auswirken?

Ankur Kamalia: Wir haben es hier mit drei wesentlichen Trends zu tun: Erstens Kooperation – von Kunden untereinander, intern unter uns, mit Aufsichtsbehörden, mit Start-ups. Kooperation ist bei einigen dieser neuen Technologien ein zentraler Faktor. Warum das so ist, sehen wir beispielsweise bei Fintech-Unternehmen. Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem Sicherheit eine Schlüsselrolle spielt. Dank neuer Technologien haben Fintechs hierfür sehr gute Lösungen entwickelt und sie tun das auch weiterhin. Wenn sie nun mit Partnern wie uns zusammenarbeiten, verbreitern sie ihre Plattform ganz erheblich, denn wir haben die Verbindung zu den Kunden, wir betreiben verlässliche und skalierbare Märkte und verfügen über die entsprechende regulatorische Erfahrung. Darauf können Fintechs aufbauen. Gleichzeitig können wir – wie andere ähnliche Unternehmen – uns nicht mehr nur auf internen Innovationen ausruhen.

Olga Wenge: Hier gibt es schon neue Ideen ...

Ankur Kamalia: ... Ideen und technologische Trends, die wir am Markt beobachten – wie auch neue Lösungen. Trend Nummer zwei dürfte ein Wechsel hin zu mehr B2B-Lösungen sein. Der dritte – und wahrscheinlich wichtigste – Trend geht in Richtung dessen, was du bereits gesagt hast: Wir sehen erste deutliche Hinweise, dass einige der neuen Technologien tatsächlich umgesetzt werden. Und das ist genau das, was wir brauchen, wenn wir davon ausgehen, dass auch nur eine dieser neuen Technologien in fünf oder zehn Jahren zum Kern unserer Wertschöpfungskette gehören wird.



Ankur Kamalia

ist seit November 2015 als Managing Director bei der Deutschen Börse.
Als Head of Venture Portfolio Management ist er verantwortlich
für DB1 Ventures.
„Letztlich geht es ganz einfach um Lösungen.“


Olga Wenge: Meinst du, dass einige dieser neuen Technologien – wie Blockchain – unsere Wertschöpfungskette ablösen könnten? Oder wird die Marktinfrastruktur, wie sie heute ist, bestehen bleiben?

Ankur Kamalia: Wenn du mich direkt fragst, ob Blockchain unsere Funktion als Marktplatz vollständig ersetzen wird: Das glaube ich eher nicht. Aber natürlich lassen sich bestimmte Teile unseres Ökosystems mit Hilfe der Blockchain-Technologie deutlich effizienter ausgestalten. Das wird in den nächsten zwei bis drei Jahren aber noch keine dramatischen Veränderungen auslösen. Trotzdem denke ich, dass wir in Teilen unserer Wertschöpfungskette wesentliche Fortschritte sehen werden. Durch den Einsatz dieser neuen Technologien werden einige Teile der Kette deutlich an Relevanz gewinnen, aber eher auf Sicht von fünf bis zehn Jahren. Ob wir über Cloud Computing, Distributed Ledger-Technologie oder künstliche Intelligenz und Machine Learning sprechen – letztlich stellt sich doch immer die gleiche Frage: Wie schätzen wir die externen Bedrohungen ein – und kann unser Ökosystem mit ihnen umgehen?

Olga Wenge: In meinen Augen erhöhen sich die Risiken mit jeder Zusammenarbeit, nicht nur im aufsichtsrechtlichen Sinn, sondern auch im Hinblick auf die Sicherheit. Um die Technologien und das Sicherheitsniveau einschätzen zu können, müssen wir daher das Ökosystem unserer Kooperationspartner genau kennen. Als streng überwachtes Unternehmen unterliegt die Deutsche Börse einer Vielzahl von Regularien; zudem müssen wir den Schutz von Kundendaten sicherstellen.

Olga Wenge

ist promovierte Ingenieurin und IT-Expertin. Für die Deutsche Börse arbeitet sie im Bereich Group Compliance.
„Wir teilen unser Wissen und entwickeln so leichter sichere Produkte.“


Ankur Kamalia: Für uns ist es in der Tat sehr wichtig, weiter eng mit Aufsichtsbehörden, Kunden und anderen Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten. So stellen wir sicher, dass wir mit externen Bedrohungen gut umgehen und weiterhin einen sicheren und äußerst verlässlichen Marktplatz bieten können.

Olga Wenge: Aus meiner Sicht liegen wir damit richtig, denn die Daten liegen nicht nur bei der Deutschen Börse. Wir haben es hier mit einem weltweiten Datenstrom zu tun, der alle Kooperationspartner und auch staatliche Stellen an unterschiedlichen Standorten und in verschiedenen Rechtsordnungen verbindet. Wir teilen unser Wissen und entwickeln so leichter sichere Produkte.

Ankur Kamalia: Das trifft es aus meiner Sicht sehr gut. Letztlich geht es ganz einfach um Lösungen – es geht darum, unseren Kunden mit neuester Technologie die richtigen Lösungen zu bieten.

Neue Technologien: Stichworte und Themen

Distributed Ledger
Ein öffentliches Kontobuch, das es ermöglicht, Transaktionen von Nutzer zu Nutzer aufzuzeichnen und zu verifizieren. Die Blockchain ist der Distributed Ledger, der den Transaktionen in der virtuellen Währung Bitcoin zugrunde liegt. Anwendungen mit weiteren Transaktionsgegenständen sind in der Entwicklung.

Cyber-Attacke
Gezielter Angriff auf eine IT-Infrastruktur von außen. Auf Finanzdienstleister finden viele Angriffe statt; daneben stehen auch Regierungen und die öffentliche Verwaltung im Mittelpunkt des kriminellen Interesses.

Künstliche Intelligenz
Der Versuch, Funktionen der menschlichen Intelligenz mit Hilfe von Rechenoperationen zu simulieren.

Machine Learning
Der Begriff bezeichnet die Auswertung von Mustern und „Erfahrung“ durch Rechner, sodass ein lernendes System entsteht, das nicht auf vorprogrammierte Reaktionen festgelegt ist und auch neue Daten einbeziehen und verarbeiten kann.